Las Once auf Deutsch

Moin ihr Lieben,

die Once [auf Deutsch: die Elf] ist in Chile das, was man bei den Engländern als Teatime bezeichnen würde. Nachmittags wird eine kleine Pause eingelegt, in der man nicht nur Kaffee oder Tee genießt, sondern auch eine bunte Auswahl an [gefüllten] Keksen, Kuchen, Torten, aber ebenso belegte Brötchen mit Schinken, Käse oder Avocadocreme. Jede Familie hat wahrscheinlich ihre eigene Zusammenstellung für ihre Once; in meiner waren neben den erwähnten Keksen mit Füllung und Kuchen auch Pastelitos [kleine, kuchenartige Stückchen, die mich an Petit Fours erinnern] üblich, außerdem eine Zusammenstellung von Brot und Brötchen mit Butterkäse, Lachsschinken [weil den mein Opapa so mochte] und Avocado mit Tomate.

Weil es heute auf dem Markt ganz tolle, reife Zwetschgen aus dem Alten Land gab, habe ich einen Blechkuchen gezaubert und daraufhin den Tisch für eine Once nach meinen Vorstellungen hergerichtet. So gab es neben Zwetschgenkuchen mit Hefeteigboden ein paar herzhafte Häppchen, die auf Öhms gutem Sonntagsservice gereicht wurden.

Zwetschgenkuchenüberreife Früchte sorgen nicht nur für die nötige Süße, sondern auch für Saftigkeit

Auswahl_Essen_Once1) Marmeladenlöffel aus Porzellan im Landhausstil von Greengate; 2) kalter Braten ganz nah; 3) Zwetschgenmarmelade aus dem Schwabenländle; 4) Zwetschgenkuchen aus Hamburg

Wie es zu dem Namen Once für eine Mahlzeit wie dieser kam, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen in Chile. Eine davon lautet wie folgt: Die Arbeiter aus den Salpeterminen des 19. Jahrhunderts haben gerne mal einen Schnaps gekippt, auf Spanisch einen sog. Aguardiente. Weil damals ein Verbot zum Konsum von Alkohol aufkam, wurde eben diese Mahlzeit eingeführt, die man Elf bzw. Once nannte, weil das Wort Aguardiente aus elf Buchstaben besteht. Dies ist die Version, die ich kenne, es soll aber noch unzählige weitere geben, die die Herkunft des Namens zu erklären versuchen, und wahrscheinlich kann man gar nicht mehr nachvollziehen, welche denn nun die wahre Geschichte ist.

Dieser Beitrag führt mir gerade vor Augen, dass gewisse Traditionen des camel-leons schon lange nicht mehr aufgegriffen wurden, z. B. die Bereitstellung eines Rezeptes für euch oder eine Buchvorstellung. Auch das Thema eigenes Buchprojekt wurde in den letzten Wochen und Monaten schändlich vernachlässigt. Oder präziser: Ausgeblendet. Ich werde mal darüber nachdenken, wie ich das zukünftig handhaben werde. In diesem Sinne euch erst mal einen schönen Tag

eure Schoko

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